In Zeiten großer Versorgungsunsicherheiten fand im April das In Bi Ge Ga Forum im südchinesischen Nanning zum 18. Mal statt. Die Veranstaltung zählt zu den wichtigsten chinesischen Treffpunkten für die Märkte rund um Indium, Bismut, Germanium und Gallium. Sie bot TRADIUM erneut die Möglichkeit, Marktstimmungen direkt vor Ort einzuordnen.
Am 23. und 24. April hat in Nanning im zentralen Süden Chinas bereits zum 18. Mal das In Bi Ge Ga Forum, eine Fachkonferenz rund um die Technologiemetalle Indium, Bismut, Gallium und Germanium, stattgefunden. Sie gilt als wichtiger Branchentreff für diese Märkte. Auffällig war in diesem Jahr vor allem die Zusammensetzung der Teilnehmer. Während bei vergangenen Veranstaltungen auch zahlreiche internationale Firmen vertreten waren, dominierte diesmal ein fast ausschließlich chinesisches Publikum. Einer der sehr wenigen westlichen Vertreter war Dr. Christian Hell, Senior Manager Germanium and Minor Metals bei TRADIUM. Ein möglicher Grund für die geringe internationale Beteiligung liegt in der aktuellen Marktlage: Viele westliche Teilnehmer der vergangenen Jahre stammten aus rohstoffverarbeitenden Unternehmen außerhalb Chinas. Aufgrund der bestehenden Exportbeschränkungen erhalten sie derzeit jedoch kaum Zugang zu Kritischen Rohstoffen. Entsprechend gering ist für viele der Anreiz, den Aufwand einer interkontinentalen Reise auf sich zu nehmen.
Bekannte Herausforderungen prägen weiterhin das Marktgeschehen
Die zurückhaltende Präsenz internationaler Vertreter spiegelt die aktuelle Situation wider. Seit inzwischen fast drei Jahren unterliegen Gallium und Germanium chinesischen Exportrestriktionen. Diese schränken die internationalen Handelsströme stark ein und schaffen einen übersättigten chinesischen Binnenmarkt, während Material außerhalb des Landes sehr knapp bleibt.
Nach Einschätzung von Dr. Hell hatte sich bereits im Sommer 2025 eine erhebliche Angebotslücke in der Größenordnung einer Weltjahresproduktion aufgebaut. Schon damals wies er darauf hin, dass sich die Lage monatlich weiter verschärfen könnte. Diese Entwicklung ist so auch eingetreten: Insbesondere außerhalb Chinas bleibt die Versorgung angespannt, während sich Handelsaktivitäten zunehmend auf den Binnenmarkt konzentrieren.
Gleichzeitig zeigt sich innerhalb Chinas ein differenziertes Bild. In Gesprächen vor Ort wurde deutlich, dass das Angebot den aktuellen Binnenbedarf teilweise übersteigt. Einige Anbieter haben ihre Produktion bereits angepasst, um auf die veränderte Absatzsituation zu reagieren. Eine vollständige Drosselung ist jedoch für viele Unternehmen keine Option, da laufende Kosten und bestehende Strukturen berücksichtigt werden müssen. Entsprechend ist im chinesischen Markt vergleichsweise viel Material verfügbar, was die Preise dort dämpft, während sie im Ausland deutlich höher liegen. In diesem Zusammenhang stieß auch der Fachvortrag von Dr. Hell zu den Entwicklungen im internationalen Germanium-Markt auf großes Interesse. Insbesondere die Preisentwicklung außerhalb Chinas wurde von vielen Teilnehmern aufmerksam verfolgt.
Unklare Zukunft: Zeichen stehen aktuell nicht auf Exportlockerungen
Wie lange die Exportbeschränkungen weiter bestehen, ist ungewiss. Eine kurzfristige Lockerung zeichnet sich derzeit nicht ab. Sollte China die Maßnahmen aufheben, sind unter anderem folgende zwei Szenarien denkbar:
- Schnelle Öffnung: Ein kurzfristiges Überangebot könnte die Preise stark sinken lassen, bevor der Markt rasch wieder leer gekauft wird.
- Schrittweise Lockerung: Eine kontrollierte Freigabe würde die Versorgung langsam verbessern und die Preise auf höherem Niveau stabilisieren.
Welchen Weg China auch wählt, wann und zu welchen Konditionen sowie in welcher Form es wieder größere Mengen an Rohstoffausfuhren ermöglicht, bleibt nach wie vor abzuwarten.
Wunsch nach mehr internationaler Zusammenarbeit
Trotz der angespannten Lage wurde dem TRADIUM-Experten Dr. Hell zufolge auf dem Forum ein großes Interesse an internationaler Zusammenarbeit deutlich. Sowohl chinesische Produzenten als auch ausländische Marktteilnehmer würden bestehende Handelsbeziehungen gerne wieder aufnehmen und ausbauen.
Neben der Diskussion über bekannte Herausforderungen bot das Forum vor allem eins: direkten Zugang zu einem Markt, der sich bereits seit Monaten immer mehr nach innen konzentriert, zugleich aber an einem internationalen Austausch interessiert bleibt.
Für Dr. Hell, der von Anfang an bei diesen jährlichen Konferenzen mit dabei ist, stand deshalb vor allem die Möglichkeit im Vordergrund, Entwicklungen und Stimmungen im chinesischen Rohstoffhandel aus erster Hand einzuordnen. So lautet sein Fazit: „Der Austausch vor Ort hat gezeigt, dass trotz der aktuellen Handelsrestriktionen der Bedarf an einem direkten Dialog nicht verschwunden ist. Der Besuch von Fachveranstaltungen wie dem In Bi Ge Ga Forum ist wichtig, um künftige Bewegungen im Markt frühzeitig und qualifiziert einordnen zu können.“
Die Einladung für das Metall-Forum 2027 liegt schon im Postfach des Germanium-Experten.