Japans Rohstoffversorgung steht unter großem Druck

Chinesische Exportkontrollen verschieben spürbar die globalen Materialströme. Japanische Industrieunternehmen müssen sich in einem enger werdenden Markt neu positionieren.

Die Versorgung mit Kritischen Rohstoffen bleibt angespannt, auch jenseits von Europa und den USA. Besonders in Japan zeigen sich die Folgen von geopolitischen Konflikten und Handelsrestriktionen inzwischen deutlich. Welche Materialien betroffen sind, wie sich Beschaffungswege verschieben und warum stabile Preise derzeit trügen, erläutern Brian Hendrich, Marktanalyst, und Jan Giese, Head of Sales & Trading bei TRADIUM, im Gespräch.

Herr Hendrich, die Diskussion um Kritische Rohstoffe hat zuletzt vor allem die USA und die Länder der EU in den Fokus gerückt. Doch er gibt auch andere Nationen mit hohem Rohstoffbedarf. Wie stellt sich aktuell die Versorgungssituation in Japan dar?

Brian Hendrich, Marktanalyst bei TRADIUM: Aus unserer Sicht hat sich die Versorgungssituation Japans seit der Verschärfung der chinesischen Exportkontrollen im Jahr 2025 und nochmals im Januar 2026 deutlich verändert. Japan wurde zunächst – anders als die USA – weiterhin beliefert. Aktuelle Handelsdaten und Marktbeobachtungen zeigen jedoch, dass auch diese Ströme inzwischen spürbar zurückgegangen sind. Betroffen sind insbesondere schwere Seltene Erden sowie Technologiemetalle wie Gallium. In der Praxis sehen sich japanische Abnehmer zunehmend gezwungen, auf alternative Beschaffungsmärkte auszuweichen.

Was bedeutet diese Entwicklung für japanische Abnehmer im internationalen Wettbewerb um verfügbare Mengen?

Brian Hendrich: Diese Ausweichmärkte stehen allerdings bereits ebenfalls unter erheblichem Druck. Da insbesondere in den USA frühzeitig eine strategische Bevorratung eingesetzt hat, sind verfügbare Spotmengen in Drittstaaten vielfach bereits gebunden. Japan tritt damit heute in direkte Konkurrenz zu US-Kunden – häufig verbunden mit entsprechendem Preisdruck und eingeschränkter Verfügbarkeit. Damit wird auch europäischen Kunden, beispielsweise in der Halbleiterbranche, Material von zwei Seiten streitig gemacht.

Welche alternativen Bezugsquellen stehen Japan aktuell zur Verfügung und wo liegen deren Grenzen?

Brian Hendrich: Das Bild ist gemischt: Südostasien – etwa Malaysia und Vietnam – sowie punktuell Korea bieten zwar Zugang zu einzelnen Materialien, jedoch meist in begrenzten Volumina und mit noch nicht vollständig etablierten Lieferketten. Australien spielt bei Seltenen Erden eine wachsende Rolle, kann kurzfristig aber keine vollständige Substitution chinesischer Kapazitäten leisten. Recycling und Sekundärmaterialien gewinnen – insbesondere in Japan selbst – an Bedeutung, stoßen aber derzeit noch an strukturelle Grenzen hinsichtlich Skalierbarkeit und Qualität. Europa tritt vereinzelt als Umschlag- und Veredelungsstandort auf, ist seinerseits jedoch ebenfalls von vorgelagerten Lieferketten abhängig.

Lässt sich die Abhängigkeit von China aktuell realistisch reduzieren?

Brian Hendrich: Insgesamt sehen wir aktuell keine echte Eins-zu-Eins-Alternative zu chinesischen Lieferungen. Es entsteht vielmehr ein fragmentierter Beschaffungsmarkt, in dem Verfügbarkeit, Preis und Qualität deutlich stärker schwanken als in der Vergangenheit. Vor diesem Hintergrund dürfte sich der Trend zu langfristigen Offtake-Vereinbarungen, strategischen Partnerschaften und Investitionen in nicht-chinesische Wertschöpfungsketten weiter beschleunigen – auch seitens japanischer Unternehmen.

Herr Giese, wie haben sich die Preise für Kritische Rohstoffe wie Dysprosium, Terbium, Gallium oder Germanium zuletzt entwickelt?

Jan Giese, Head of Sales & Trading bei TRADIUM: Auf der Preisseite wirkt das Bild auf den ersten Blick ruhig: Die Notierungen bewegen sich kaum und verharren in Europa auf hohem Niveau.

Spiegelt das eine Entspannung der Lage wider?

Jan Giese: Das sollte jedoch nicht als Zeichen einer Stabilisierung der Versorgungslage gewertet werden. Der eigentliche Grund für die geringe Preisbewegung ist das weitgehende Fehlen von Liquidität im Markt. Transaktionen finden schlicht kaum statt – nicht, weil Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht wären, sondern weil der Markt faktisch zum Stillstand neigt. Die Preisstabilität spiegelt damit eher eine Abwesenheit von Handel wider als eine echte Entspannung der Lage.

Die Märkte für kritische Rohstoffe sind klein, international verflochten und häufig nur begrenzt transparent. Preisbewegungen, Handelsströme und Verfügbarkeiten lassen sich deshalb nur im Zusammenhang mit dem täglichen Handelsgeschäft sowie im direkten Austausch mit Produzenten, Verarbeitern und weiteren Marktteilnehmern weltweit belastbar einordnen. TRADIUM bündelt diese Einblicke regelmäßig im Blog und veröffentlicht darüber hinaus gemeinsam mit dem Nachrichtenportal Rohstoff.net vierteljährliche Marktberichte. Der aktuelle Bericht „USA und Japan beschleunigen den Wettlauf um Kritische Rohstoffe – TRADIUM-Marktreport Q1/2026“ zeigt, wie stark geopolitische Entscheidungen inzwischen selbst kleine Marktsegmente beeinflussen.

Jan Giese

Über Jan Giese

Jan Giese ist Head of Sales & Trading bei der TRADIUM GmbH in Frankfurt. Der ausgewiesene Experte für Seltene Erden und Minor Metals wie Gallium und Germanium arbeitet seit 2022 bei dem internationalen Rohstofflieferanten. Zuvor leitete er den weltweiten Einkauf der Heraeus Quarzglas GmbH und vertiefte dabei seine Erfahrung im globalen Rohstoffmarkt.

Über Brian Hendrich

Brian Hendrich ist Junior Trader & Market Analyst bei der TRADIUM GmbH in Frankfurt. Der Rohstoffexperte mit Fokus auf Seltene Erden und Minor Metals ist seit 2023 bei dem internationalen Rohstofflieferanten tätig und verbindet dort fundierte Marktanalyse mit redaktioneller Expertise. Seit 2026 ist er auch im operativen Handel involviert und baut damit seine Erfahrung im globalen Rohstoffmarkt kontinuierlich aus.

Brian Hendrich

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