Aktuelle Zolldaten aus Peking zeigen einen massiven Rückgang der chinesischen Exporte beider Rohstoffe.
China exportierte im April lediglich drei Kilogramm Gallium, die vollständig nach Malaysia gingen. Im März hatten die Ausfuhren noch bei 5.350 Kilogramm gelegen, das zeigen die aktuellen Statistiken der chinesischen Zollbehörde. Damit entspricht der Rückgang einem Minus von mehr als 99 Prozent. Auch im Vergleich zum Vorjahresmonat ist der Einbruch erheblich: Im April 2025 hatte China noch 4.777 Kilogramm Gallium ausgeführt.
Noch schwächer fielen die Germanium-Exporte aus. Deutschland und Japan erhielten im April jeweils weniger als ein Kilogramm, weitere Zielländer gab es nicht. Bemerkenswert ist dies auch mit Blick auf den Vorjahresmonat: Bereits im April 2025 waren die Germanium-Ausfuhren ungewöhnlich schwach ausgefallen und im Monatsvergleich um 93 Prozent auf 98 Kilogramm gesunken. Die aktuellen Zahlen markieren damit selbst gegenüber diesem niedrigen Niveau einen neuen Tiefstand.
Die Entwicklung beendet zugleich die leichte Erholung, die sich zuvor abgezeichnet hatte. Im März waren die Germanium-Exporte noch auf 998 Kilogramm gestiegen.
Dr. Christian Hell, Senior Manager Germanium und Minor Metals bei TRADIUM, fehlen angesichts dieser Entwicklung fast die Worte: „Null Export bei Germanium, was soll man dazu sagen. Wir hatten damit gerechnet, dass China zumindest wieder kleine Mengen ausführt. Stattdessen zeigt sich: Es geht offenbar immer noch weniger. Für viele Abnehmer außerhalb Chinas wird die Rohstoffversorgung wirklich schwierig. Wer sich bislang auf diese Lieferungen verlassen hat, sollte spätestens jetzt nach Alternativen suchen. Bemerkenswert ist auch, dass diese Handelsstrategie nicht nur ausländische Kunden trifft, sondern ebenso die chinesischen Produzenten, denen wichtige Absatzmöglichkeiten verloren gehen. Die entscheidende Frage ist, wie lange Peking bereit ist, diesen Preis zu zahlen. Und auch bei Gallium sieht es kaum besser aus. Wenn selbst Deutschland, das bisher vergleichsweise zuverlässig beliefert wurde, leer ausgeht, ist das ein deutliches Signal.“
Hintergrund der Entwicklung ist nicht eindeutig
Ob der Einbruch im April auf eine gezielte Verschärfung der chinesischen Exportpolitik hindeutet, ist offen. Ebenso denkbar sind Verzögerungen oder Engpässe bei der Erteilung von Ausfuhrgenehmigungen. China hat seine starke Stellung bei beiden Metallen in der Vergangenheit wiederholt als geopolitischen Hebel eingesetzt. Anfang des Jahres kappte Peking Gallium-Lieferungen nach Japan, im Dezember 2024 wurden Exporte in die USA untersagt. Dieses Verbot wurde später wieder aufgehoben.
Gallium und Germanium sind wichtige Rohstoffe für Halbleiter, Glasfasertechnologie, Photovoltaik und militärische Anwendungen. China dominiert große Teile der weltweiten Raffineriekapazitäten und reglementiert den Export beider Metalle seit Sommer 2023 streng. Mit dem Inkrafttreten der Ausfuhrkontrollen kam es erstmals zu einem Null-Export: Im August und September 2023 verließ kein Rohstoff das Land.