Export Seltener Erden: Keine Entwarnung nach jüngsten Handelsdaten

Die Auswirkungen der im April von China eingeführten Exportauflagen für bestimmte Seltene Erden und deren Verbindungen zeigen sich immer deutlicher. Die jüngst vorgelegten Daten zum Außenhandel lassen keine Entwarnung für die westlichen Industrien zu, das gilt auch für Magneten aus Seltenen Erden. TRADIUM ordnet die aktuelle Entwicklung ein.

Mutmaßlich als Reaktion auf die Ankündigung der US-Regierung von hohen Zöllen auf chinesische Waren hat Peking im April die Ausfuhr bestimmter Seltener Erden neu reguliert. Das Land ist der wichtigste Produzent dieser Rohstoffgruppe und die Auswirkungen der Handelsrestriktionen zeigen sich nun immer deutlicher: Nachdem bereits im Mai kein Dysprosium und Terbium exportiert wurden, blieb eine Erholung im Juni aus, wie aus aktuellen Daten der Zollbehörden hervorgeht. Lediglich ein Kilogramm Dysprosium und 1.200 Kilogramm Terbium gingen nach Südkorea, berichtete das Branchenportal Rohstoff.net. Exporte in andere Länder fanden nicht statt.

Jan Giese, Senior Manager Minor Metals and Rare Earths, schätzt die Lage wie folgt ein: „Trotz zuletzt positiver politischer Signale, etwa den Gesprächen zwischen den USA und China in London oder dem Besuch des chinesischen Außenministers in Berlin, zeigen die Exportzahlen für Dysprosium, Terbium und Seltenerdmagnete im Juni 2025 noch keine Entspannung. Zwar wurden wieder mehr Magnete ausgeführt als im Vormonat, doch ob darunter auch Hochleistungsmagnete mit Terbium- und Dysprosiumanteil waren, ist fraglich. Die niedrigen Exportmengen beider Elemente deuten eher darauf hin, dass für diese Produkte weiterhin strenge Ausfuhrauflagen gelten. Auffällig ist auch: Unter den belieferten Ländern finden sich weder die USA noch europäische Staaten, dafür aber Südkorea. Eine tatsächliche Entspannung für europäische Abnehmer könnte sich, sofern sich die politischen Signale bestätigen, frühestens in ein bis zwei Monaten zeigen. Derzeit ist es noch zu früh, von einer Rückkehr zur Normalität auszugehen.“

Dysprosium und Terbium gehören zu den Schlüsselrohstoffen für verschiedenste Hightech-Bereiche – darunter die Halbleiterfertigung und chemische Verfahren. Besonders kritisch sind sie jedoch für die Produktion von Neodym-Eisen-Bor-Magneten (NdFeB), die in zahlreichen Zukunftstechnologien zum Einsatz kommen. Zwar benötigen nicht alle NdFeB-Magnete diese Elemente, doch für Anwendungen unter hohen Belastungen und Temperaturen – etwa in Elektromotoren, Windkraftanlagen oder militärischen Systemen – sind sie nahezu unverzichtbar.

Auch bei Seltenerdmagneten keine Erholung in Sicht

Den weltweit größten Anteil an der Produktion dieser Magneten aus Seltenen Erden weist ebenfalls China auf. Die jetzt vorliegenden Handelsdaten zeichnen hier auch ein für die westlichen Industrien bedenkliches Bild, denn die Exporte liegen trotz eines Zuwachses gegenüber dem Vormonat Mai im Juni weiterhin deutlich unter dem Vorjahresniveau. 

Hintergrund ist die fehlende Unterscheidung der Behörden zwischen den verschiedenen Arten von Seltenerdmagneten. Es existiert nur ein Zollcode für diese Hightech-Bauteile, unabhängig davon, ob sie Terbium, Dysprosium oder andere unter die Restriktionen fallende Seltene Erden enthalten oder nicht. Bereits im Juni gab es aus der deutschen und internationalen Automobilwirtschaft Befürchtungen vor Produktionsausfällen aufgrund fehlender Komponenten, in manchen Betrieben standen sogar schon die Bänder still. Entwarnung kann auch nach Vorlage der jüngsten Handelsstatistiken nicht gegeben werden.

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