Die Genehmigungspflicht beeinflusste innerhalb weniger Wochen den internationalen Rohstoffhandel. Bis heute entscheiden staatliche Stellen, wer für welchen Verwendungszweck und wie viel Material erhält.
Seit August 2023 kontrolliert China die Ausfuhr ausgewählter Gallium– und Germaniumprodukte. Die Germaniumexporte liegen in der Folge deutlich unter dem Niveau vor Einführung der Restriktionen. Bei Gallium schwanken die Liefermengen stark und konzentrieren sich auf wenige Empfängerländer. Für industrielle Abnehmer ist die Versorgungsunsicherheit längst Teil des Tagesgeschäfts.
China trifft einen empfindlichen Nerv
Pekings Exportkontrollen für Gallium und Germanium traten am 1. August 2023 in Kraft. Exporteure mussten fortan Genehmigungen beantragen und zusätzliche Informationen zu Empfängern und Verwendungszwecken vorlegen. Zeitweise kamen die Lieferungen nahezu vollständig zum Erliegen. „Mit den Exportrestriktionen hat China einen sehr empfindlichen Nerv getroffen“, sagt Dr. Christian Hell, Senior Manager Germanium and Minor Metals bei TRADIUM.
Inzwischen hat sich deutlich bestätigt, wie verwundbar die internationalen Lieferketten sind. Besonders deutlich wird dies bei Germanium. Zwei große Produzentenländer prägen seit langem den Markt: China und Russland. Während die Wirtschaftsbeziehungen der EU und der USA zu Russland stark eingeschränkt sind, kann Peking den Zugang zu dem Technologiemetall über seine Genehmigungspraxis gezielt steuern. Jan Giese, Head of Sales & Trading, richtet den Blick auf die indirekten Auswirkungen: „Die Kontrollen wirken nicht nur über eine vollständige Blockade, sondern über längere Genehmigungszeiten, zusätzliche Dokumentationsanforderungen und geringere Planbarkeit. Auch wenn Material weiter fließt, kann die Versorgung langsamer und unsicherer werden.“ Unterdessen gewinnt China tiefe Einblicke in die Lieferketten, Kundenstrukturen und Endverbleibe der ausgeführten Rohstoffe.
Germanium wird unter anderem für Infrarotoptiken, Glasfaserkabel und Halbleiter benötigt. Auch in sicherheitsrelevanten Anwendungen spielt das Metall eine wichtige Rolle. Damit treffen die Beschränkungen nicht nur einzelne Branchen, sondern zentrale Bereiche moderner Industrieproduktion.
Starke Schwankungen statt verlässlicher Lieferungen
Die chinesischen Ausfuhrdaten zeigen seit 2023 ein Muster: Auf Monate mit höheren Liefermengen folgen immer wieder deutliche Rückgänge. Auch die Empfängerländer wechseln. Zudem wächst die Zahl der Unternehmen in den USA, Japan, aber auch in der EU, die Peking auf spezielle Exportkontrolllisten gesetzt hat. Für Giese untermauert dies den Eindruck, dass der Zugang zu Kritischen Rohstoffen inzwischen relativ offen als geopolitisches Instrument eingesetzt wird.
Vor dem Hintergrund beobachten die TRADIUM-Experten eine deutliche Veränderung im Beschaffungsverhalten industrieller Abnehmer. Die nachgefragten Mengen liegen teilweise erheblich über dem früher üblichen Bedarf. Dahinter steht das Ziel, sich gegen weitere Einschränkungen abzusichern.
„Man hat die Zeichen der Zeit erkannt und will sich jetzt bevorraten. Allerdings ist das inzwischen schwierig, um nicht zu sagen: schon zu spät“, erklärt Hell. Giese ergänzt: „Bei Materialien wie Gallium und Germanium dürfte es inzwischen kaum noch möglich sein, kurzfristig größere strategische Bestände aufzubauen. Die Versorgungslage ist teilweise so angespannt, dass die Entnahme von Material aus dem Markt die Situation eher verschärfen könnte.“
Auch Chinas nächster Schritt bleibt ungewiss
Neben den schwankenden Liefermengen bleibt eine weitere entscheidende Frage offen: Wie lange wird China an den Exportkontrollen festhalten und wie würden mögliche Lockerungen aussehen? Eine schnelle Öffnung könnte zunächst ein Überangebot und fallende Preise auslösen, bevor der Markt die verfügbaren Mengen wieder aufnimmt. Bei einer schrittweisen Freigabe dürfte sich die Versorgung dagegen nur langsam verbessern und das Preisniveau vergleichsweise hoch bleiben. Damit fasst Hell zwei denkbare Szenarien zusammen.
Für Giese erschwert gerade diese Ungewissheit jede längerfristige Planung: „Unternehmen wissen nicht, ob, wann und in welcher Menge Material verfügbar sein wird. Sie wissen auch nicht, unter welchen Bedingungen sie morgen beschaffen können. China kann die Kontrollen beibehalten, verschärfen oder kurzfristig lockern. Jedes dieser Szenarien hätte unterschiedliche weitreichende Folgen für Verfügbarkeit und Preise. Planungssicherheit bietet keines.“