Die jüngsten Exportdaten aus China zeigen: Kritische Rohstoffe werden weiterhin nur selektiv und in stark schwankenden Mengen ausgeführt. Besonders Gallium verzeichnete im Juni einen drastischen Einbruch.
Für Unternehmen außerhalb Chinas bleibt die Versorgung mit bestimmten Metallen nur schwer planbar. Die aktuellen Exportdaten für den Monat Juni verdeutlichen, dass Peking die internationalen Materialströme weiterhin genau steuert. Dies gilt sowohl für Technologiemetalle wie Gallium und Germanium als auch bei schweren Seltenen Erden.
„Die aktuellen Exportzahlen für Kritische Rohstoffe überraschen kaum. Sie bestätigen vielmehr ein Muster, das sich seit Monaten beobachten lässt: Die Ausfuhrmengen etwa bei Seltenen Erden schwanken stark und bewegen sich insgesamt auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Währenddessen werden wichtige Abnehmerländer wie die USA oder Japan zunehmend von den chinesischen Materialströmen ausgeschlossen“, erläutert Brian Hendrich, Rohstoff-Analyst bei TRADIUM.
Gallium-Exporte fallen stark, Germanium noch weiter rückläufig
Bei Gallium brachen die Exporte im Juni gegenüber dem Vormonat um rund 97 Prozent auf lediglich 200 Kilogramm ein, nachdem die Ausfuhrmenge im Mai noch 6.200 Kilogramm betragen hatte. Deutschland, das in den ersten Monaten des Jahres noch zu den wichtigsten Abnehmern zählte, erhielt im Juni kein Material.
„Dass die Gallium-Exporte im Juni nahezu zum Erliegen kamen, könnte zusätzlich mit den neuen chinesischen Vorgaben zum Umgang mit Gefahrstoffen zusammenhängen, die seit Mai gelten. Wo die praktische Auslegung neuer Regelungen noch unklar ist, werden Ausfuhren häufig zunächst zurückgehalten“, nennt Brian Hendrich als mögliche Ursache neben den bestehenden Exportrestriktionen.
Auch bei Germanium gingen die Ausfuhren deutlich zurück. Mit 620 Kilogramm lag das Exportvolumen rund 45 Prozent unter dem Mai-Wert. Fast die gesamte Menge ging nach Russland.
Schwere Seltene Erden und Magnete entwickeln sich in der Ausfuhr unterschiedlich
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den schweren Seltenen Erden. Die Ausfuhren von Dysprosium sanken im Juni auf knapp 2.100 Kilogramm. Im Mai hatte China noch ca. 8.500 Kilogramm exportiert, sodass die Menge innerhalb eines Monats um rund 75 Prozent zurückging. Malaysia erhielt gut 1.100 Kilogramm und war damit der größte Abnehmer. Die übrigen ca. 1.000 Kilogramm gingen nach Südkorea.
Bei Terbium zeigte sich die umgekehrte Entwicklung. Nach lediglich 400 Kilogramm im Mai stiegen die Exporte im Juni auf 3.100 Kilogramm und haben sich damit nahezu verachtfacht. Mit 2.600 Kilogramm ging der weitaus größte Teil nach Südkorea, weitere 500 Kilogramm erhielt Estland. Damit verteilten sich die Ausfuhren der beiden Rohstoffe in Oxid-Form im Juni auf drei Länder, die über Kapazitäten zur Weiterverarbeitung und industriellen Fertigung verfügen.
Bei den nachgelagerten Seltenerdmagneten, denen Dysprosium und Terbium je nach Anwendung zugesetzt werden können, legten Chinas Exporte hingegen insgesamt deutlich zu. Mit knapp 5.650 Tonnen lagen sie rund 19 Prozent über dem Vormonatswert. Zu den wichtigsten Empfängern gehörten, wie bereits im Mai, Deutschland, Südkorea, die USA, Vietnam und Indien.