China liefert wieder Gallium – Export von Germanium auf nur geringem Niveau

Seit Sommer 2023 ist der Export von Gallium und Germanium aus China stark reglementiert und in der Konsequenz gedrosselt. Die jüngsten Daten zu den Ausfuhren zeigen auch fast zwei Jahre nach Inkrafttreten der Regelungen keine Erholung. Was das für die Industrie bedeutet, ordnen die TRADIUM-Experten ein.

Nach einem vollständigen Exportstopp im Mai hat China im Juni wieder Gallium ausgeführt. Das geht aus den neuesten Zahlen der Zollbehörden hervor. Insgesamt verließen im vergangenen Monat 4.260 Kilogramm des für die Hightech-Industrie kritischen Metalls das Land. Hauptabnehmer waren Japan (2.004 kg) und Deutschland (2.000 kg). Zum Vergleich: Im Juni 2024 hatte China 4.184 Kilogramm Gallium exportiert. Von einer Entspannung kann auf Quartalssicht allerdings keine Rede sein: Der Zeitraum zwischen April und Juni 2025 markierte bereits das dritte Quartal in Folge mit rückläufigen Galliumexporten.

Jan Giese, Senior Manager Minor Metals and Rare Earths: "Die Exportzahlen für Gallium wirken auf Monatsbasis wechselhaft. Nach dem völligen Stillstand im Mai sind die Ausfuhren im Juni wieder deutlich gestiegen. Wenn man allerdings nur auf diese kurzfristigen Schwankungen blickt, greift das zu kurz. Auf Quartalsbasis zeigt sich ein klarer Trend: Die Exporte nehmen insgesamt ab. Aus unserer Sicht ist das ein Indiz dafür, dass sich der Markt schrittweise in ein strukturelles Defizit bewegt. Auffällig ist dabei, dass die chinesischen Behörden zunehmend konkrete Angaben zur Endverwendung einfordern. Gerade bei Gallium ist das ein kritischer Punkt. Das Material durchläuft in der Regel mehrere Verarbeitungsschritte, bis es beim Endkunden ankommt. Eine eindeutige Zuordnung der Verwendung ist deshalb oft nicht möglich. In solchen Fällen wird ein Ausfuhrantrag nach unserer Erfahrung eher nicht genehmigt. Kurzfristige Ausschläge nach oben ändern daher wenig an der grundsätzlichen Tendenz einer zunehmend eingeschränkten Verfügbarkeit.“

Drastischer zeigt sich die Entwicklung bei Germanium: Die Ausfuhren blieben im Juni mit nur 96 Kilogramm auf äußerst niedrigem Niveau – deutlich weniger als die 1.328 Kilogramm im Vorjahresmonat. Deutschland erhielt davon 74 Kilogramm, Russland 22 Kilogramm.

Dr. Christian Hell, Senior Manager Minor Metals: „Die aktuellen Exportzahlen kommen nicht überraschend. China hat mehrfach signalisiert, dass bei Germanium die Ausfuhrhürden höher denn je liegen. Das Metall ist strategisch kritisch, gerade im nichtzivilen Bereich. In der Praxis heißt das: Viele Endkunden wollen im Rahmen der Ausfuhranträge nicht genannt werden oder lassen sich aufgrund komplexer Wertschöpfungsketten nicht eindeutig benennen. Unsere Erfahrung zeigt: In solchen Fällen erteilen die Behörden in der Regel keine Genehmigung. Die Bearbeitungsdauer von mindestens 45 Arbeitstagen sowie das Fehlen kurzfristig verfügbarer Alternativen zum Rohstoff deuten darauf hin, dass sich die Versorgungslage weiter zuspitzen wird, vor allem, wenn sich die geopolitischen Rahmenbedingungen nicht ändern.“

Beide Metalle sind unverzichtbar für Halbleiter, Glasfasertechnik und Infrarotanwendungen. Als weltweit führender Produzent steuert China maßgeblich den Zugang zum Weltmarkt. Seit Sommer 2023 gelten Lizenzpflichten für den Export mit offiziell 45 Tagen Bearbeitungszeit, in der Praxis dauern die Genehmigungsprozesse oft länger. Zudem besteht seit Dezember 2023 ein vollständiges Exportverbot in die USA, was die globalen Lieferketten zusätzlich belastet.

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