Im Juli stiegen Chinas Ausfuhren einiger Kritischer Rohstoffe, während andere zurückgingen. Doch erst der Blick auf die Empfängerländer zeigt, was die Zahlen für die Versorgungslage bedeuten.
Die chinesische Zollbehörde weist für den Juli eine gegenläufige Entwicklung beim Export von Dysprosium und Terbium aus. Die Ausfuhren von Dysprosium stiegen laut Statistik von fast 2.100 Kilogramm im Juni auf gut 11.300 Kilogramm und damit um rund 440 Prozent. Die gesamte Menge ging nach Südkorea. Bei Terbium sanken die Exporte dagegen von 3.100 auf ca. 1.300 Kilogramm, ein Minus von knapp 58 Prozent. Auch hier war Südkorea der einzige Empfänger. Das zeigt zugleich, dass die reine Exportmenge nur begrenzt etwas über die Versorgungslage aussagt: Wichtige Industrienationen wie Japan erhielten im Juli weiterhin keine Lieferungen.
Brian Hendrich, Rohstoff-Analyst bei TRADIUM: „Die Exportmenge bei Dysprosium hat sich im Vergleich zum Vormonat mehr als verfünffacht, das ist aber noch kein Zeichen für eine Entspannung am Markt. China hat erneut ausschließlich Südkorea mit Dysprosium und Terbium beliefert, während das benachbarte Japan leer ausging. Daran zeigt sich, wie gezielt der Zugang zu diesen Rohstoffen gesteuert wird. Solange die gesamte Ausfuhr nur an ein einziges Land geht, kann von einer stabilen und breiten Versorgung keine Rede sein.“
China Export Control Monitor: Im Juli 2026 wurde wieder mehr Dysprosium, Gallium und Germanium exportiert. Die Menge an exportiertem Terbium ist gesunken, der Export von Seltenerdmagneten bleibt auf dem Niveau des Vormonats.
Nur leichter Rückgang bei Magneten
Bei den Seltenerdmagneten gingen die Ausfuhren im Juli etwas zurück. China exportierte fast 5.400 Tonnen, nach knapp 5.650 Tonnen im Juni. Das entspricht einem Minus von gut vier Prozent. Deutschland blieb der wichtigste Abnehmer, gefolgt von den USA, Südkorea, Vietnam und Indien. Gegenüber Juni änderte sich die Spitzengruppe damit kaum.
Gallium- und Germaniumexporte ziehen wieder an
Nach dem schwachen Juni hat China im Juli wieder deutlich mehr Gallium und Germanium exportiert. Die Ausfuhren von Gallium stiegen laut Zollbehörde von 200 auf 7.200 Kilogramm. Davon gingen 7.000 Kilogramm nach Deutschland, die übrigen 200 Kilogramm nach Malaysia. Deutschland bleibt damit im bisherigen Jahresverlauf der wichtigste Abnehmer.
Auch bei Germanium legten die Ausfuhren zu: von 620 Kilogramm im Juni auf fast 1.500 Kilogramm im Juli. Größter Empfänger war erneut Russland mit knapp 850 Kilogramm, gefolgt von Deutschland mit gut 360 Kilogramm und Armenien mit etwa 100 Kilogramm.
Dr. Christian Hell, Senior Manager Germanium & Minor Metals: „Man muss es so sagen: Russland bekommt seit Monaten viel Germanium, Deutschland immer wieder ein bisschen. Wirklich interessant sind aber die Kleinstmengen, die nach Armenien, Marokko oder in die Türkei gehen. Diese Länder gehören kaum zum Kreis der klassischen Abnehmer. Dahinter muss keine plötzlich gewachsene Nachfrage stehen. Die Zollstatistik zeigt zunächst nur das Zielland und lässt offen, wo das Material am Ende verarbeitet oder verbraucht wird.“
Für bestimmte Gallium- und Germaniumprodukte gelten in China seit Sommer 2023 Exportkontrollen und Genehmigungspflichten. Seit April 2025 unterliegen auch Dysprosium, Terbium und weitere Seltene Erden entsprechenden Beschränkungen. Die monatlichen Ausfuhren können daher deutlich schwanken. Zudem handelt es sich um vergleichsweise kleine Märkte, in denen einzelne größere Lieferungen die Statistik spürbar verändern können. Eine Bilanz der bisherigen Auswirkungen liefert der Beitrag „Drei Jahre Exportkontrollen: Ernüchternde Bilanz bei Gallium und Germanium“ im TRADIUM-Blog.